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DIE KONFERENZEN
STRASSBURG 1990 – HELSINKI 1993 – LISSABON 1998 – WIEN 2003
DER MCPFE-PROZESS IM ÜBERBLICK

Straßburg 1990
SCHAFFUNG GRENZÜBERSCHREITENDER MECHANISMEN ZUM SCHUTZ DER WÄLDER
Die Erste Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa fand auf Initiative von Frankreich und Finnland im Jahr 1990 in Straßburg statt. An der Konferenz nahmen 30 europäische Länder und die Europäische Gemeinschaft teil. Mehrere zwischenstaatliche Organisationen waren als Beobachter vertreten. Angesichts der Notwendigkeit eines grenzüberschreitenden Schutzes der Wälder in Europa einigten sich die Teilnehmer auf sechs Resolutionen. Gegenstand der Resolutionen von Straßburg war insbesondere die technische und wissenschaftliche Zusammenarbeit, um notwendige Daten als Grundlage für gemeinsame Maßnahmen in Europa bereitstellen zu können.
Mit den Resolutionen von Straßburg wurde die Grundlage für eine umfassende Zusammenarbeit in ganz Europa geschaffen. Außerdem stellte die Straßburger Konferenz einen wichtigen Schritt dar, mit dem die Einbeziehung wissenschaftlicher Daten in politische Aktionen zum Schutz der europäischen Wälder initiiert wurde.
Die erste Ministerkonferenz steht für den Beginn eines laufenden politischen Prozesses, dessen Ziel es ist, Vorschläge und Maßnahmen zum Schutz der Wälder in Europa und zu deren nachhaltiger Bewirtschaftung zu erarbeiten. Im Anschluss an die erste Ministerkonferenz wurden regelmäßig Treffen von den Teilnehmer der MCPFE abgehalten, um die sechs Straßburger Resolutionen umzusetzen.
Helsinki 1993
ENGAGEMENT FÜR EINE NACHHALTIGE WALDBEWIRTSCHAFTUNG IN EUROPA
Die beim UNO-Umweltgipfel 1992 in Rio verabschiedeten waldrelevanten Ergebnisse wie zum Beispiel die „Forest Principles“ führten zur Zweiten Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa. Diese fand im Juni 1993 unter dem gemeinsamen Vorsitz von Finnland und Portugal in Helsinki statt. Neben den 37 europäischen Staaten und der Europäischen Gemeinschaft waren verschiedene Organisationen aus dem Privatsektor, der internationalen Forstwirtschaft und der ökologisch orientierten Nichtregierungs-organisationen (NGOs) bei der Konferenz vertreten.
Die Allgemeine Erklärung und die vier Resolutionen von Helsinki sind Ausdruck des europäischen Herangehens an globale Umweltfragen, insbesondere die Förderung nachhaltiger Waldbewirtschaftung, die Erhaltung biologischer Vielfalt, Strategien angesichts der Folgen einer möglichen Klimaveränderung für die Wälder, und eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Reformländern Mittel- und Osteuropas.
Lissabon 1998
BETONUNG DER VIELFÄLTIGEN AUFGABEN DER WÄLDER
Bei der Dritten Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa, die im Juni 1998 in Lissabon stattfand, wurden die sozioökonomischen Aspekte einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung besonders betont. In diesem Zusammenhang beschäftigte sich die Konferenz vor allem mit den Beziehungen und Wechselwirkungen zwischen Wald und Gesellschaft. Außerdem wurden wichtige Ergebnisse der Folgeaktivitäten von Helsinki bekräftigt. Unter dem Vorsitz von Portugal und Österreich unterzeichneten die 36 europäischen Staaten und die Europäische Gemeinschaft die zwei Resolutionen von Lissabon.
Darüber hinaus wurde durch die Unterstützung des gemeinsamen gesamteuropäischen "Arbeitsprogramms zur Erhaltung und Verbesserung der biologischen und landschaftlichen Vielfalt in Waldökosystemen, 1997 – 2000" (Arbeitsprogramm für biologische Vielfalt) die Zusammenarbeit mit dem Prozess der Ministerkonferenz „Umwelt für Europa“ begründet.
Bei der Lissabonner Konferenz entschieden die Minister außerdem, ein Arbeitsprogramm zur Umsetzung aller bis dahin gefassten Beschlüsse zu erstellen. Dieses Arbeitsprogramm der MCPFE wurde im Oktober 1999 angenommen. Es umfasst über 40 Aktionen zu gemeinsamen, gesamteuropäischen Fragen. Diese Aktionen erstrecken sich von der biologischen Vielfalt in Wäldern und der Klimaveränderung über die ländliche Entwicklung bis hin zu den spezifischen Bedürfnissen der mittel- und osteuropäischen Länder. Das Arbeitsprogramm der MCPFE spricht auch wichtige forstpolitische Instrumente wie nationale Forstprogramme und Kriterien und Indikatoren für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung an.
Das Arbeitsprogramm wird nicht nur von den Teilnehmern der MCPFE und der Liaison Unit, sondern auch von einer Vielzahl von im Bereich der Forstwirtschaft tätigen internationalen Organisationen und Institutionen umgesetzt. Darin kommt das herausragende Merkmal der MCPFE zum Ausdruck, nämlich ihre Fähigkeit, eine wirksame Kooperation im Bereich Wald und Forstwirtschaft zu initiieren und intensivieren.
Wien 2003
Wien 2003 EUROPÄISCHE WÄLDER – GEMEINSAMER NUTZEN, GETEILTE VERANTWORTUNG
Die Vierte Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa stand unter dem Motto "Living Forest Summit": Forstminister aus 41 europäischen Ländern und ein Vertreter der Europäischen Gemeinschaft sowie Vertreter von vier außereuropäischen Ländern und 24 internationale Organisationen trafen sich im April 2003 in Wien unter dem gemeinsamen Vorsitz von Österreich und Polen.
Vierzig europäische Staaten und die Europäische Gemeinschaft unterzeichneten die Wiener Deklaration "Europäische Wälder – Gemeinsamer Nutzen, geteilte Verantwortung" und verabschiedeten fünf Wiener Resolutionen. Die Wiener Deklaration streicht die vielfältigen Rollen der Wälder für den ländlichen Raum und urbane Gesellschaften heraus, spricht die Bedeutung starker Partnerschaften zwischen dem Forstsektor und anderen Sektoren an und betont die Wichtigkeit, globale Herausforderungen anzugehen. Die Wiener Resolutionen behandeln sektorübergreifende Zusammenarbeit und nationale Waldprogramme, Wirtschaftlichkeit nachhaltiger Waldbewirtschaftung, soziale und kulturelle Aspekte, biologische Vielfalt in Wäldern sowie Wälder und Klimawandel. Zudem beschlossen die Forstminister ein neues Rahmenabkommen zur Zusammenarbeit zwischen der MCPFE und dem Ministerprozess "Umwelt für Europa"/Pan-europäische Strategie für biologische und landschaftliche Vielfalt, welches ebenfalls von den Umweltministern bei der fünften Ministerkonferenz "Umwelt für Europa" (Mai 2003) angenommen wurde.
Zum ersten Mal wurde ein "Multi-stakeholder Dialogue" als ein integraler Bestandteil der Ministerkonferenz initiiert. Fünf Interessensgruppen (Waldbesitzer, Forstindustrie, soziale Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Umwelt-NGOs und Wissenschaft) diskutierten mit den europäischen Ministern und brachten ihre Standpunkte zum Schutz und zur nachhaltigen Bewirtschaftung von Wäldern in die Konferenz ein. Alle Teilnehmer erkannten die Notwendigkeit einer effizienten Umsetzung der Resolutionen der MCPFE. Demzufolge wird die MCPFE im Anschluss an die Wiener Konferenz auch ein neues Arbeitsprogramm entwickeln, um alle Verpflichtungen, die beim Living Forest Summit beschlossen wurden, in die Tat umzusetzen.
